20.06.2011 Verschiedene Bedürfnisse bei Manifestation

Welche Bedürfnisse haben Familien, wenn ein Kind die Diagnose Diabetes bekommen hat? Das hängt wesentlich vom Alter des Kindes ab.
Die Beratung sollte nicht für jede Familie gleich sein.

Was sind die Lebensumstände des Kindes? Wie ist die berufliche Situation der Eltern? Hat das Kind neben dem Diabetes weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen? Und welche Bedürfnisse haben Familien kurz nach der Diabetesdiagnose? In Hannover wurden dazu 67 Familien befragt. Interessant: Etwa ein Drittel der an Diabetes erkrankten Kinder hatte noch eine weitere psychische oder körperliche Beeinträchtigung wie ADHS oder Allergien. Und fast ein Viertel der Eltern berichtet in den Interviews von psychischen oder körperlichen Erkrankungen, z. B. Essstörungen, Depressionen, Diabetes.

Wichtig: Familienleben und Alltag des Kindes
Nach ihren Bedürfnissen gefragt, lagen diese zu 29,5 Prozent im Bereich des Familienlebens (Aufteilung der Therapieverantwortung, Umgang mit Geschwistern, Unsicherheit in der Erziehung), zu 29,1 Prozent im Alltagsleben des Kindes (Umgang mit dem Diabetes in der Schule, bei Freunden und Geburtstagen) und zu 20,8 Prozent in der Entwicklung des Kindes (Reduktion der kognitiven Leistungsfähigkeit, Probleme mit der Peer-Group, Verlust an Lebensqualität). Weniger häufig genannt wurden Aspekte aus den Kategorien „kritische Situationen“, „Verursachung der Erkrankung“ und „Berufsleben Eltern“.


Alter des Kindes entscheidend
Auffällig ist, dass ein Zusammenhang besteht zwischen den Bedürfnissen, die genannt wurden, und dem Alter des Kindes bei Manifestation: Das Familienleben in den Griff zu bekommen ist wichtiger in Familien mit jüngeren Kindern mit Diabetes; in Familien mit älteren Kindern geht es eher darum, das Alltagsleben des Kindes zu bewältigen.

Beratung an Bedürfnisse anpassen
Die Autoren der Studie schließen daraus, dass sich die Beratung von Familien mit einem Kind mit Diabetes ihren Bedürfnissen anpassen muss.

Angaben zur Studie
Ziegler C., Danne T., Aschemeier B., Marquardt E., Kordonouri O., Krowicky C., Rischer U, Götz B, Schnell K, Lange K: Psychosoziale Ausgangssituation und subjektive Bedürfnisse eine repräsentativen Stichprobe von Familien bei Manifestation eines Diabetes mellitus Typ 1 eines Kindes/Jugendlichen

Quelle: Supplement-Band zu Diabetologie und Stoffwechsel, Mai 2011, S. 63

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