09.11.2009 Typ-1-Diabetes besser verstehen und behandeln
Die Goethe-Universität in Frankfurt am Main informiert in einer Pressemitteilung, dass in der vergangenen Woche das NAIMIT-Projekt gestartet wurde. In dessen Rahmen werden Möglichkeiten eines gezielten Eingreifens in das Immunsystem untersucht, um wirksame Präventions- und Interventionsstragien für den Typ-1-Diabetes zu entwickeln. Im NAIMIT-Projekt haben sich führende Diabetologen und Immunologen aus 11 europäischen Forschungseinrichtungen zusammengeschlossen. Die Goethe-Universität, einer von zwei deutschen Partnern, übernimmt dabei die Koordination des Bereichs "Pharmakogenomik".
"Inzwischen kennen wir einige genetische Faktoren, die bewirken, dass sich das Immunsystem gegen die Körper eigenen Beta-Zellen richtet", wird Prof. Klaus Badenhoop von der Medizinischen Klinik I der Goethe-Universität in der Pressemitteilung zitiert. "Bei Typ-1-Diabetikern finden sich auf der Oberfläche der T-Helferzellen Antigen-Strukturen, die gesunde Menschen nicht haben".
Multizentrische Studie an jungen Erwachsenen
In einer multizentrischen Studie an jungen Erwachsenen (18 bis 30 Jahre) aus sechs europäischen Ländern soll zunächst die genomische Anlage jedes einzelnen Patienten ermittelt werden. Dann wird getestet, auf welche bereits bekannten Wirkstoffgruppen sie am besten ansprechen. Ziel ist es, auf die Antigene spezifisch einzuwirken und so die Zerstörung von Betazellen zu verhindern beziehungsweise geschädigte Betazellen wieder herzustellen. Dieses Vorgehen soll nicht nur den Erfolg der Therapie steigern, sondern auch unerwünschte Nebenwirkungen verhindern.
Darüber hinaus untersuchen die Forscher die Darmflora. Deren Veränderung, etwa durch Ernährung oder Medikamente, kann die Entstehung des Typ-1-Diabetes begünstigen. Daraus erhoffen sie sich Hinweise auf eine Ernährung, die der Krankheit vorbeugt beziehungsweise ihren Verlauf mildert. Wichtige Erkenntnisse für die Vorsorge verspricht auch ein weiteres Forschungsprojekt, in dem es um die Frage geht, inwiefern die Gabe von hoch dosiertem Vitamin D die chronische Erkrankung bremsen oder verhindern kann. Offenbar steigert Vitamin D, das bereits jetzt Säuglingen im ersten Lebensjahr verabreicht wird, die Toleranz der T-Helferzellen, so dass sie die Insulin produzierenden Zellen weniger angreifen.
Zwei Millionen Europäer an Typ-1-Diabetes erkrankt
Epidemiologisch ist das NAIMIT-Projekt von großer Bedeutung: Insgesamt sind in Europa zwei Millionen Menschen an Typ-1-Diabetes erkrankt. Betroffen sind häufig auch Typ-2-Diabetiker, wobei die Zerstörung der Beta- Zellen bei ihnen weniger schwer ist und langsamer voranschreitet. Zu dem Konsortium unter der Leitung der KU Leuwen in Belgien gehören drei kleine und mittelständische Unternehmen. Sie sollen die Entwicklung neuer Technologien und die Umsetzung der Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung beschleunigen helfen.
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