17.06.2011 Schulung verbessert Lebensqualität von Kindern und Eltern

Werden Eltern intensiv geschult, finden sich Kinder mit Diabetes schneller in der neuen Lebenssituation zurecht, haben Professor Thomas Danne und Professor Karin Lange herausgefunden.
Schulung hilft Familien.

Die Studie zeigt, dass die Kinder bereits nach einem Jahr wieder die Lebensqualität ihrer Altersgruppe erreichen. Aber auch die Mütter erhalten durch die Schulung eine wichtige psychische Unterstützung.   


Eltern brauchen unterschiedlich lange
In Deutschland wird allen Eltern von Kindern, die im Alter von vier bis 14 Jahren an einem Diabetes erkranken, eine Initialschulung angeboten. In 45-minütigen Unterrichtsstunden erläutern Diabetesberater in Theorie und Praxis die Behandlung. Professor Lange hat die Effektivität des Programms zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Diabetesschulung für Eltern in einer Studie geprüft. Ihre Ergebnisse zeigen, dass die Eltern unterschiedlich lange brauchen, bis sie die Behandlung beherrschen. Die Spanne reichte von 15 bis 67 Unterrichtsstunden, berichtet Professor Lange. Dies erkläre sich durch die unterschiedlichen Vorkenntnisse der Eltern, von denen einige selbst Diabetiker sind. Anderen falle der Unterricht aufgrund eines niedrigen Bildungsniveaus oder geringer Deutschkenntnisse jedoch schwerer.    

Mehr Wissen, bessere Einstellung
Am Ende hatten die Mütter und Väter aber ihr Diabeteswissen deutlich verbessert, berichtet die Expertin. Auch die Zufriedenheit der Eltern mit der Schulung war hoch. Die Ärzte konnten außerdem feststellen, dass sich die Stoffwechseleinstellung der Kinder gebessert hatte. Der sogenannte HbA1c-Wert, ein Maß für den langfristigen Blutzucker, war von 10,8 auf 6,8 Prozent nach sechs Monaten gesunken. Nach einem Jahr kam es zwar wieder zu einem leichten Anstieg auf 7,2 Prozent. Das Therapieziel von 7,5 Prozent oder weniger hatten jedoch 71 Prozent der Kinder erreicht, berichtet Professor Lange. Schwere Komplikationen durch zu niedrige Blutzuckerwerte, in der Fachsprache Hypoglykämien,  oder durch einen Insulinmangel waren selten.   

„Normales“ Leben nach einem Jahr – aber Mütter sind stärker belastet
Als besonders positiv hebt die Psychologin die rasche Verbesserung der Lebensqualität hervor. Schon sechs Monate nach Beginn von Erkrankung und Elternschulung hatten sich die Werte in einem Fragebogen verbessert. Nach zwölf Monaten erreichten die Kinder die Lebensqualität Gleichaltriger. Professor Lange: Für viele sind die anfänglichen Befürchtungen nicht eingetreten. Das wiedererlangte „normale” Leben werde trotz der anspruchsvollen Therapie schon bald als positiv erlebt. Etwas länger benötigten die Mütter, auf denen die Hauptlast der Erziehung liegt. Nach der Erfahrung der Psychologin reagieren viele Mütter auf die Diagnose und die Therapieverantwortung mit einer depressiven Verstimmung, von der sie sich nur langsam erholen. Erst nach zwölf Monaten hatten die meisten die Erkrankung ihres Kindes emotional bewältigt. Professor Lange bleibt jedoch skeptisch: Es sollten weitere Maßnahmen zur frühzeitigen Identifikation und Unterstützung betroffener Mütter entwickelt und evaluiert werden.   

Die Autoren:
Professor Thomas Danne (Hannover) ist Chefredakteur und Professor Karin Lange stellvertretende Chefredakteurin des Diabetes-Eltern-Journals.

Hier ist die Studie erschienen:
K. Lange, T. Kleine, T. Danne, im Namen der AG Diabetesschulung für Eltern:
Initialschulung für Eltern von Kindern mit Diabetes: Aufwand und Effekte bei Kindern und Eltern.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2011; 136 (21):
S. 1106-1110

Quelle: Pressemitteilung des Thieme-Verlags

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