30.06.2009 Möglicher Zusammenhang zwischen Lantus und Krebs: Europäische Arzneimittelbehörde nennt Studien "inkonsistent"

Laut EMEA könne derzeit ein Zusammenhang zwischen Lantus und Krebs weder bestätigt noch ausgeschlossen werden.

Die Europäische Arzneimittelbehörde (European Medicines Agency - EMEA) nimmt vier kürzlich veröffentlichte Registerstudien in Augenschein, die einen möglichen Zusammenhang zwischen Insulinanaloga - namentlich Insulin glargin - und einem Krebsrisiko untersucht haben. Die Studien wurden am 26.09.2009 auf der Website von "Diabetologia" veröffentlicht.

Insulin glargin ist ein langwirksames Insulinanalogon, das in der Europäischen Union als "Lantus" und "Optisulin" zur Behandlung von Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab sechs Jahren mit Diabetes zugelassen ist, wenn eine Insulintherapie erforderlich ist.

Studien inkonsistent
Die Ergebnisse der vier Studien werden als inkonsistent angesehen. In zwei Studien (Scottish Diabetes Research Network Epidemiology Group und Jonasson et al.) wurde eine Verbindung zu Brustkrebs in der Patientengruppe entdeckt, die Insulin glargin als Monotherapie verwendeten, aber nicht in einer anderen Patientengruppe, in der Insulin glargin zusammen mit anderen Insulinsorten eingesetzt wurde. Zu anderen Krebsarten wurde keine Verbindung gefunden. In diesen beiden Studien wurde der Einfluss der Dosis nicht evaluiert.

Die dritte Studie (Hemkens et al.) berichtet von einen dosisabhängigen Zusammenhang zwischen dem Gebrauch von Insulin glargin und bösartigen Tumoren. Allerdings stehen keine Informationen zu den Krebsarten zur Verfügung, die in dieser Studie gefunden wurden. In der vierten Studie (Currie et al.), wurde keine Verbindung zwischen Krebs (weder Brust-, Bauchspeicheldrüsen-, Prostata- oder kolorektalen Krebs) und dem Gebrauch von Insulin glargin oder einem anderen Insulin gefunden.

Erhöhtes Krebsrisiko kann weder bestätigt noch ausgeschlossen werden
Auf der Basis der derzeit verfügbaren Daten kann ein Zusammenhang zwischen Insulin glargin und Krebs weder bestätigt noch ausgeschlossen werden. Dennoch erfordern die Bedenken, die durch die vier Studien aufgeworfen wurden, eine weitere, tiefergreifende Evaluation.

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (Committee for Medicinal Products for Human Use - CHMP) der Europäischen Arzneimittelbehörde wird eine detaillierte Einschätzung der Studienergebnisse und aller übrigen relevanten Informationen vornehmen. Diese Bewertung wird außerdem auf Fragen zu dosisabhängigen Effekten, den Auswirkungen der relativ kurzen Laufzeit der Studien und Einflüssen anderer Faktoren auf das Risiko für Brustkrebs und andere Krebsarten (z.B. Alter, Body-Mass-Index, Menopause, Schwangerschaft, sozioökonomischer Status) eingehen.

Insulintherapie wie bisher fortführen
Der Inhaber der Markenrechte für Lantus und Optinsulin, Sanofi-Aventis, wurde aufgefordert, zu diesen möglichen Sicherheitsbedenken Stellung zu beziehen.
Patienten, die mit Insulin glargin behandelt werden, wird empfohlen, ihre Therapie wie bisher normal fortzuführen. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine Empfehlung, dass Patienten ihre derzeitige Behandlung ändern sollten. Bei Bedenken, sollten Patienten ihren Arzt konsultieren. Weitere Informationen werden veröffentlicht, sobald der CHMP seine Einschätzung abgeschlossen hat.

Quelle:
Pressemitteilung der Europäischen Arzneimittelbehörde (European Medicines Agency)

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