03.08.2011 Fruktosezusätze: Forscher kritisieren US-Grenzwerte

Erwachsene, deren tägliche Kalorienzufuhr zu einem Viertel über stark fruktosehaltige Lebensmittel oder Getränke abgedeckt wird, weisen erhöhte Cholesterin- und Triglyceridwerte auf. Diese Ergnisse einer neuen Studie der University of California wurden beim Fachmagazin Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism eingereicht und werden vorraussichtlich in der Oktober-Ausgabe veröffentlicht, berichtet die US-amerikanische Diabetes-Organisation ADA.
Laut den Studienautoren wurde die Studie initiiert, um Klarheit über eine Diskrepanz zwischen unterschiedlichen Empfehlungen von Instutitionen zu schaffen: In den vom Gesundheits- und vom Agrarministerium veröffentlichten US-amerikanischen Ernährungsrichtlinien wird empfohlen, dass additiver Zucker bei Erwachsenen maximal 25 Prozent der täglichen Kalorienzufuhr ausmachen sollte. Die amerikanische Herzstiftung (American Heart Association) fordert hingegen eine Obergrenze von 5 Prozent.
Der Studienaufbau
Im Rahmen der Studie wurden die Auswirkungen der von Regierungsseite festgelegten höheren Grenzwerte unter die Lupe genommen. Es nahmen 48 normal- und übergewichtige Personen (Body-Mass-Index: 18 - 35kg/m²) im Alter zwischen 18 und 40 Jahren teil. Nachdem deren gesundheitliche Werte erfasst wurden, bezogen sie über einen Zeitraum von zwei Wochen ein Viertel ihrer Energiezufuhr über Getränke, die entweder mit Fruktose, Maissirup (ein Zuckerkonzentrat mit hoher Fruktosekonzentration) oder Glukose gesüßt waren.
Nach Ablauf der Beobachtungszeit wiesen die Studienteilnehmer, die Getränke mit Fruktose oder Maissirup konsumiert hatten, erhöhte LDL-Cholesterin-, Tryglycerid- und Apolipoprotein-B-Blutwerte auf. Diese Parameter begünstigen die Entstehung von Arteriosklerose und erhöhen so das kardiovaskuläre Risiko. Insbesondere am späten Abend (etwa vier bis sechs Stunden nach dem Abendessen) traten sehr hohe Werte auf. Bei Probanden, die glukosehaltige Drinks zu sich genommen hatten, war hingegen keine nennenswerte Erhöhung dieser Werte festzustellen.
Hochkonzentrierte Fruktosezusätze werden vor allem in Softdrinks verwendet
Zuckerkonzentrate mit hohem Fruktoseanteil finden in vielen Lebensmittelprodukten Verwendung, da Fructose eine deutlich höhere Süßkraft hat als Glucose. Vor allem in den USA wird High Fructose Corn Syrup (Maissirup) oft in Lebensmitteln verarbeitet. In der überwältigenden Mehrheit aller Softdrinks wird es dort als kalorisches Süßungsmittel eingesetzt.
Diese neuen Erkenntnisse unterstreichen, dass ein solch Maß an Zuckerkonsum bei jungen, gesunden, normal- sowie übergewichtigen Erwachsenen schon nach nur zwei Wochen zu Fettstoffwechselstörungen führen kann, betonen die Studienautoren in einer Pressemitteilung. Dies widerspreche den derzeitigen Schlussfolgerungen und Empfehlungen behördlicher Stellen in den USA, die für eine "tägliche Kalorienabdeckung von 25 bis 50 Prozent mit Zucker keine langfristigen schädlichen Folgen" sehen und die bei einer "Fruktoseaufnahme von bis zu 140 g am Tag keine biologisch relevante Erhöhung der Nüchtern- oder Postprandial-Triglyceridwerte" bescheinigen.
In Deutschland gelten andere Empfehlungen
Die neu gewonnen Ergebnisse zeigen aber auf, schlussfolgern die Forscher, dass die US-Regierung ihre Empfehlungen bezüglich des maximalen täglichen Zuckerkonsums überdenken sollte. In Deutschland wurde dies seitens Behörden und Fachgesellschaften bereits umgesetzt. So warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), dass eine erhöhte Zufuhr von Fructose ungünstige Auswirkungen auf den Stoffwechsel haben kann.
Darüber hinaus wurde im letzten Jahr die Diätverordnung dahingehend angepasst, dass die Kategorie Diabetiker-Lebensmittel ersatzlos gestrichen wurde. Bis dahin waren hierzulande spezielle Diabetiker-Lebensmittel auf dem Markt, die mit Zuckeraustauschstoffen wie Fruktose angereichert waren.
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