05.09.2011 Camp-D-Tagebuch - Gemeinsam Diabetes ändern

Die Diabetesberaterin Andrea Epping hat ihre Erlebnisse des diesjährigen Camp D in einem Tagebuch festgehalten.

Mittwoch 6. Juli 2011
Es ist 7.40 Uhr , ich sitze im Sprinter – Bus der mich zum Bahnhof nach Münster bringt, dort treffe ich meine Freundin Lisa, auch Diabetesberaterin und wir fahren gemeinsam im Zug über Hamburg nach Neumünster.

Dort werden wir von der Firma Novo Nodrisk abgeholt und zum Turnierplatz in Bad Segeberg gefahren, dort findet das 3. Camp D statt. Ich bin total gespannt was auf mich zukommt, voll bepackt mit großem Rucksack und Reisetasche.
Um 13.30 Uhr treffen wir in Bad Segeberg ein , der riesige Platz ist sehr beeindruckend.

Wir werden sehr freundlich empfangen und zum Mittagessen ins große Verpflegungszelt eingeladen, dort auch herzliche Begrüßung durch Til Rendschmidt und Christina Betz-Senftleben. Anschließend heißt es Zelte aufbauen. Einige Zelte stehen schon , aber ca. 100 müssen noch aufgebaut werden.

Wir bekommen eine kurze Einweisung und dann los. Ich habe in meinem Leben noch kein Zelt aufgebaut, aber es geht überraschend gut . Beim Aufbauen wächst der Teamgeist und wir lernen die ersten neuen Leute kennen, alle sind ein Team, na ja fast alle , wie immer gibt es Drückeberger.

Dann plötzlich heißt es schnell noch die Zelte sichern es kommt ein Unwetter auf. Wir haben die letzten Zelte noch nicht gesichert da kommt ein massiver Regenschauer herunter und wir flüchten ins Verpflegungszelt durch und durch nass, aber es hat Spaß gemacht.

Anschließend Abendessen und 1. Betreuerbriefing. Inhalt : Kurze Einweisung durchs Programm des Camp D , was befindet sich wo (alle Wege sind sehr gut mit Wegweisern ausgeschildert), kurze Info durch Ulrike Thurm zum Thema Hypoglykämie und Ketoazidose. Anschließend Zelteverteilung und Einrichtung der Zelte, um ca. 22.30 Uhr kriechen wir fix und fertig in unsere Schlafsäcke, bin gespannt ob ich schlafen kann.

Donnerstag 07. Juli 2011
7.30 Uhr , habe einigermaßen gut geschlafen , nach der Morgentoiletten geht es zum Frühstück. Wie auch gestern bei dem Mahlzeiten sind im Versorgungszelt 7 Büffets aufgebaut so das niemand lange warten muss und wir sehr schnell zu unserem gemütlichem Frühstück mit neuen Leuten kommen. Es ist eine Atmosphäre als ob man sich schon immer kannte, einfach und unkompliziert.

Anschließend 2. Briefing mit Till Remscheid und Herrn Friesinger (Dipl.–Pädagoge der Jungendakademie in Bad Segeberg). Im offenen Gespräch werden folgende Themen besprochen:
- Alkoholverbot im Camp
- Nachtruhe
- Betreuerpflicht
- Umgang mit Jugendlichen im Gruppen
- Umgang mit Konflikten in Gruppen.

Diese Info fand ich sehr informativ und hilfreich für dien nächsten Tage.
Anschließend Zeit zur freien Verfügung und wir gehen Shoppen in Bad Segeberg.

13.00 Uhr gemeinsames Mittagessen und letzte Instruktionen bevor die Teilnehmer anreisen. Lisa und ich sitzen vor unserem Zelt und warten gespannt auf unsere Gruppe , wir wissen das wir 6 Gruppenmitglieder bekommen, 2 Jungen und 4 Mädels.

Um ca. 17.00 Uhr treffen nach und nach unsere Gruppenmitglieder ein.
Leider haben kurzfristig 3 Personen abgesagt und es bleiben nur 3 Mädels über. Alle 3 Teilnehmer kennen sich nicht . Wir begrüßen sie herzlich, zeigen ihnen ihr Zeit, dann lassen wir ihnen erst mal Zeit sich kennen zu lernen.

Die Teilnehmer sind zwischen 17 und 21 Jahre alt, 2 Teilnehmer sind Pumpenträger ein Teilnehmer macht eine ICT. Bei allen 3 Gruppenmitgliedern ist der Diabetes schon lange bekannt. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde mit Besprechung der wichtigen Details gehen wir zusammen zum Abendessen.
Anschließend ist im großen Versorgungszelt Begrüßungsabend mit Vorstellung der Sponsorfirmen und des Programmablaufes.

Anschließend wird feierlich das Camp D Feuer angezündet und der Fackellauf wird durch Heinz- Rüdi Stahel eröffnet. Für mich sehr beeindruckend dass ich jetzt von rund 600 Typ-1-Diabetikern umgeben bin. Alle gehen unkompliziert miteinander um, als würden sie sich schon ewig kennen.

Es wird noch Fußball und Volleyball gespielt, in den Workshop – Zelten kann getanzt werden. Gegen 22.30 Uhr kriechen wir wieder in unsere Zelt. Morgen früh heißt es 4.30 Uhr aufstehen und antreten zum Fackellauf.

Freitag 8.7. 2011
Mein Wecker schellt wirklich um 4.15 Uhr, Laufsachen an und auf zum Fackellauf. Aus unsere Gruppe läuft nur eine Teilnehmerin mit, die anderen beiden sind nicht aus den Schlafsäcken zu bekommen. Na, ja laufen wir eben alleine.

Es macht riesig Spaß so in den frühen Morgenstunden mit Flutlicht um den Platz zu laufen, auch zu dieser Zeit sind einige Leute da zum anfeuern, einfach toll.
Anschließend Duschen (um diese Zeit sind die Duschen schön leer) und noch kurz in den Schlafsack und wir machen noch ein kleines Nickerchen.  Anschließend wohlverdientes Frühstück.

Heute werden verschiedene Worksshops mit folgenden Themen und Referenten angeboten:

  • Sexualität und Schwangerschaft – kein Problem mit Diabetes ! Oder doch?
    Referent : Dr. Frank Merfort
  • Alles im Griff auf dem Diabetes-Schiff? Kurs halten mit Pumpe und CGMS
    Referent : Elke Kerth
  • Was möchte ich, was kann ich, was darf ich? Beruf , Verkehr und Soziales 
    Referent : Dr. Andreas Klinge
  • Verantwortung für das eigene Leben übernehmen – was hilft dabei?
    Referent : Prof. Karin Lange
  • Diabetes und Sport – gerne auch extrem 
    Referent Dr. Karsten Milek und Sportler mit Diabetes
  • Durchfeiern – durchhängen – trotzdem okay
    Referent: Prof. Thomas Danne
  • Diabetes ohne Blutzucker messen? Das ist wie Autofahren ohen Tacho!
    Referent . Erikea Meurer
  • DAWN- Youth und Webtalk – auf dein Leben kommt es an!
    Referent: Dr. Bernhard Kulzer
  • Yes, I can!
    Referent : Hansruedi Stahel
  • Wenn nichts mehr geht ...
    Referenten : Diplom – Psych. Andreas Podeswik, Dr. Michael Meusers, Dr. Dörte Hilgard.

Alle Workshops waren super gut besucht und sehr interessant und ich war mal wieder beeindruckt über die rege Teilnahme. Am besten fand ich aber die Offenheit der Teilnehmer. Ende der Workshops ca. 17.00 Uhr, anschließend Abendessen.

Um 19.00 Uhr treffen wir uns vor dem Orga-Büro und laufen gemeinsam zu den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg. Wir erleben Winnetou und Old Shatterhand live. Bevor wir ins Zelt kriechen haben wir noch ein tollen Gespräch mit 2 anderen Betreuerinnen und 3 Camp D Teilnehmern zum Thema Ketoazidose.

Um Punkt 0.00 Uhr liegen wir todmüde im Zelt und versuchen zu schlafen.
Draußen ist noch ein riesiger Geräuschepegel, ich glaube außer uns beiden ist niemand im Camp D müde. Hinter uns noch eine Gruppe mit Gitarrenmusik, echt toll, ich dachte immer so etwas gibt es gar nicht mehr. Gott sein Dank kann man sich irren. Gute Nacht.

Samstag 9. Juli 2011
7.30 Uhr Aufstehen und Katzenwäsche (nach dem 3. Tag stört mit auch das Zähneputzen mit kaltem Wasser nicht mehr), anschließend Frühstück. Beim Frühstück Geburtstagsständchen für Christian-Betz-Senfleben. Anschließend beginnt der Sporttag, der Wettergott meint es auch gut und schickt heute die Sonne.

Es werden folgende Sportarten angeboten: Tischtennis, Kickboxen unter der Anleitung von Anja Rentfort (mehrmalige Weltmeisterin) mit ihrem Team, Kletterturm unter der Anleitung von Hansruedi Stahel, Fahrradtour unter der Anleitung von Simon Strobel (Deutscher Meister im Inline Speedskaten) außerdem Tricking, Zorbing, Slacklining und Yoga. Außerdem findet ein Fußballtunier und ein Beachvolleyballtunier statt.  

Alle Sportarten werden begleitet von der passenden Musik und den dazu passenden Musikanlagen. (Diese wurden morgens mit einem riesigem LWK angeliefert) und dem dazu passendem DJ, die Stimmung ist einfach riesig.
Die BZ-Messungen sind kein Problem, weil es ja jeder macht. Es stehen immer und überall schnell wirksame Kohlenhydrate (Banane, Balisto etc.) bereit, falls der BZ zu stark absinkt.

Beim Kickboxen hält Dr. Fiedler sein geschultes Diabetolgen-Auge auf die Teilnehmer und gibt ggf. eine freundliche Aufforderung zum BZ-Messen. Es wurden Sportarten angeboten , die mir und bestimmt auch den Teilnehmern völlig unbekannt waren und es machte riesigen Spaß alles einmal ausprobieren. 

Der Tag ging total schnell herum und duschen und Abendessen waren angesagt. Beim Abendessen wurde schon bekannt das einige Teilnehmer einen Magen-Darm-Infekt haben und die Sanitätsstation sehr belegt ist. In den Nacht erkrankten dann zunehmend Teilnehmer und es wurden sicherheitshalber auch viele Teilnehmer zur stationären Behandlung eingewiesen.

Auch ich habe in dieser Nacht versucht zu helfen und bin an meine Grenzen gekommen, aber durch die Hilfe der vielen Ärzte, Betreuer mit medizinischen Kenntnissen und des SEL war die Situation immer im Griff. Ich war beeindruckt wie die Veranstalter auch in dieser Außnahmesituation immer einen klaren Kopf behalten haben und die gute Organisation auch hier nicht eine Minuten gelitten hat.

Die Teilnehme die nicht erkrank sind wurden am Sonntagmorgen beim Frühstück über die Lage informiert. Leider fand die Abschiedsveranstaltung nicht statt, aber alle hatten Verständnis dafür. Die Abreise fand dann wie geplant am Sonntagmittag statt und die Teilnehmer traten die Heimreise an, nachdem eine herzliche Verabschiedung stattgefunden an.

Ich finde es sehr schade, das das Camp D so ein Ende genommen hat, ich habe noch nie so eine Veranstaltung mit so vielen Teilnehmern erlebt, indem jeder das Gefühl hatte, wir sind alle gleich. Ich habe mich gefreut wenn die Jugendlichen mich angeprochen haben und ganz selbstverständlich Fragen rund um den Diabetes gestellt haben. Ich kann nur jedem, der in der Diabetesberatung mit jungen Menschen tätig ist empfehlen, das Camp D als Betreuer mitzuerleben, es lohnt ich!

Ich wünsche mir das es wieder ein Camp D geben wird, und ich denke ich bin wieder als Betreuer dabei, dann hoffentlich ohne Virus.

Von Andrea Epping, Diabetesberaterin

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