09.03.10 Beeinflusst das Internet die Impfentscheidung?

Über den Einfluss des Internets auf die Wahrnehmung von Impfrisiken hat Dr. Cornelia Betsch, Diplom-Psychologin an der Universität Erfurt, Ärzten bei verschiedenen Tagungen berichtet. Die Psychologin beschäftigt sich intensiv mit diesem Thema und war nun als Expertin beim Präventionstag Pädiatrie in Mainz, aber auch beim 16. Sächsischen Impftag in Leipzig gefragt.
Seiten von Impfgegnern tauchen schnell auf
"Eltern informieren sich zum Thema Impfen häufig im Internet. Schon eine einfache Google-Suche nach dem Stichwort 'impfen' führt neben Seiten von Pharmafirmen und der öffentlichen Hand schnell auf Internetangebote dezidierter Impfkritiker und -gegner. Dort finden Eltern neben impfkritischen Argumenten häufig emotionale und persönliche Berichte, die von negativen Erlebnissen nach der Impfung berichten", weiß die Psychologin.
Bedrohliches Gefühl wird ausgelöst
Unter ihrer Leitung hat eine Reihe von Online-Studien an der Universität Erfurt belegt, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Surfen auf impfkritischen Internetseiten und sinkenden Impfintentionen gibt. Betsch konnte zeigen, dass Einzelfallberichte eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung spielen, da sie ein Gefühl der Bedrohlichkeit auslösen und so auf das wahrgenommene Impfrisiko wirken. Auch langfristig wirkt sich eine erhöhte Risikowahrnehmung aus: Eltern, die das Risiko des Impfens für hoch halten, ließen ihre Kinder im Untersuchungszeitraum von fünf Monaten seltener impfen.
Furchtappelle nützen nichts
Weitere Studien befassen sich mit der Frage, wie im Internet Impfkampagnen bzw. die Kommunikation von fehlendem Risiko wirken. Dabei zeigte sich, dass im Zusammenhang mit impfkritischen Informationen die Verwendung von Furchtappellen zu niedrigeren Impfintentionen führte als bei Kampagnen, die auf die Vorteile des Impfens abzielten. Betsch: "Aber auch das völlige Dementieren eines Risikos ist unter Umständen nicht von Vorteil. Die Impfintentionen waren - wie wir feststellen konnten - höher, wenn ein Risiko als minimal dargestellt wurde, als wenn es als null dargestellt wurde".
Empfehlungen der Expertin
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Erfurter Forschung derzeit für zwei Jahre im Umfang von knapp 100.000 Euro. "Praktiker können aus den Ergebnissen unserer Studien ableiten, dass es ratsam ist, sich und Eltern die Wirkung von Einzelfallberichten klar zu machen", erläutert Dr. Cornelia Betsch. "Außerdem sollten Risiken nicht verschwiegen oder verleugnet, sondern relativiert werden. Dabei sollte man keine Furchtappelle verwenden, aber über die Erkrankungsrisiken und deren Folgen aufklären, um Eltern eine informierte Entscheidung zu erlauben."
Weitere Informationen:
http://www.erfurt-studien.de
http://www.cornelia-betsch.de
Quelle: Pressemitteilung der Universität Erfurt vom 8. März 2010










