18.12.2008 Schokolade der Mayas und Milkaner

Der Nikolaus ist auch nicht mehr das, was er einmal war, jedenfalls für Nico. Früher war der Dezember nicht nur das Ende, sondern der Höhepunkt des Jahres – eingeläutet von Nikoläusen aus schwarzer, weißer und natürlich auch schwarz-weißer Schokolade, fortgeführt mit Plätzchen und Lebkuchen und noch lange nicht abgeschlossen mit Christstollen und einem überquellenden Teller voller Süßigkeiten zu Weihnachten. Für ein paar wonnig-süße Wochen lebte Nico als Schokoholic, Magenweh inklusive, doch wer wollte ihm das verdenken oder gar verbieten?
Der Diabetes hat es dann verboten, und für Eltern ist es nicht immer leicht, als strenger Schoko-Wächter aufzutreten – und als Alternative nicht viel mehr anbieten zu können als zum Beispiel diesen wahnsinnig schmackhaften Saft gegen Eisenmangel. Eigentlich sollte man den vor Gebrauch schütteln, bei uns ist es andersherum: Der Saft schüttelt Nico.
Zu meinem Überzeugungsrepertoire in solchen Fällen zählen dann Sätze wie: „Mund auf, Augen zu und durch“ oder „Nun stell dich mal nicht so an“, pädagogisch am wertvollsten finde ich aber: „Du musst das positiv sehen.“ Nico reagiert allerdings auf solche Sprüche eher negativ. Wenn dieser Saft – und dazu auch noch der Husten- und artverwandte Säfte – doch nur ein bisschen nach Schokolade schmecken würde, denke ich dann manchmal. Wäre doch viel leichter für Nico, und unser Frühstück wäre deutlich friedlicher. Ich müsste dann nur ab und zu mal eingreifen und sagen: „Jetzt lass aber endlich mal den Eisensaft stehen und trink was Anständiges.“
Dabei ist Schokolade als Medizin ja gar nichts Neues, sondern etwas sehr, sehr Altes. Schließlich haben schon im Jahr 1500 vor Christus die Mayas und später die Azteken die Kakaobohnen gegen Fieber, Erkältungen und Magenweh eingesetzt. Sie haben eine Paste daraus gewonnen und einen Drink gemixt, den sie „Xocolatl“ nannten, bitteres Wasser. Auf dem langen und weiten Weg von den alten Indios über die spanischen Eroberer bis zu uns hat aber dann irgendeiner statt Heilkräutern nur noch Zucker und Fett beigemischt. Wahrscheinlich waren das die Milkaner und deren Verwandte, jedenfalls ging das Wissen um die Schokolade als Heilmittel verloren.
Erinnert hat uns daran wieder unser Freund Christian Jäger. Er ist Heilpraktiker, und er hat Nico von einer Schokolade erzählt, die auf alte Indio-Art und nach alten Rezepten ohne Zucker- und Fettzusatz nicht krank macht, sondern gesund. Er nennt sie „Glücksschokolade“, und natürlich wollte Nico das sofort probieren. In Deutschland ist diese Schokolade jedoch noch nicht auf dem Markt. Christian aber hat sie ihm aus London mitgebracht, eine große Tüte voll. Zu Hause haben wir das auf einen überquellenden Teller geladen, und für Nico war das ein bisschen wie Weihnachten.
Er hat nun die Auswahl: Schokonuggets, Schokokekse, Schokoriegel, Schokotäfelchen mit und ohne Orange sowie einen Schokodrink. Auch diese Schokolade muss Nico umrechnen in BE, also muss er sich das einteilen. Aber wir haben einen Deal gemacht: Er isst die gesunde Schokolade, ohne dass ich eingreifen darf. Dafür nimmt er den Eisensaft, ohne dass ich eingreifen muss.
Dr. Peter Münch (München) ist Redakteur der Süddeutschen Zeitung (Ressortleiter Seite Drei). Sein Sohn Nico ist 14.
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