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18.03.2008 Ein Bild von einem Vorbild

Als Erster tauchte Diego Armando Maradona auf. Gibt man bei Google die Stichwörter Fußball und Diabetes ein, stößt man auf den Argentinier. Genialer Fußballer, klar, aber den würde man wohl auch finden, wenn man die Stichwörter Fußball und Kokain eingibt. Oder Fußball und Fresssucht: 128 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,67 Meter war seine Spitzenleistung. Als Vorbild taugt so einer wenig.

Es war der Tag nach Nicos Diabetes-Diagnose, kurz vor Ostern 2006. Elf Jahre war er alt, einen großen Traum hatte er im Kopf: Fußballer werden. Stürmer, Dribbler, Torschütze, so wie Maradona, nur anders. Nicos erste Frage an den Arzt im Krankenhaus war: "Kann ich weiter Fußball spielen?" Der Arzt sagte: "Klar kannst du das." Aber woher sollte der Arzt das wissen? Hat der schon mal ein Dribbling über den ganzen Platz gemacht, am Schluss den Torwart umkurvt und den Ball reingeschoben? Nico hat das gemacht, in der D-Jugend gegen den FC Stern München. Und Maradona hat das gemacht, gegen England in einem WM-Spiel.

Wie man mit Diabetes gut lebt und was man mit Diabetes alles erreichen kann, darüber können Ärzte sehr viel erzählen - in der Theorie. Wichtiger noch aber ist es, vor allem für Kinder und Jugendliche, in der Praxis zu sehen, wie andere mit der Erkrankung leben. Wichtig also ist es, ein Vorbild zu haben. Und ein solches Vorbild haben wir gesucht, am Tag nach der Diagnose, im Internet.

Natürlich kann der coole Zwölftklässler Vorbild sein, von dem man plötzlich erfährt, dass er auch Diabetes hat - und trotzdem Klassensprecher ist, E-Gitarre in einer Band spielt oder als Kapitän die Schulmannschaft anführt. Aber zunächst einmal bieten sich natürlich Prominente an: Menschen, die für Erfolg stehen, die ein Ideal verkörpern, die als Stars makellos, schön, perfekt erscheinen - und die so beweisen, dass die Diabetes-Erkrankung der Verwirklichung von Träumen nicht im Weg steht.

Für jeden lässt sich da ein Diabetes-Vorbild finden. Mit B.B. King oder Neil Young hätten wir Nico wohl eher wenig beeindrucken können. Wenn er gnädig gestimmt ist, hört er sich deren Oldies im Auto zwar mal an, aber meist reagiert er darauf mit Kopfschütteln und Kopfhörern. Halle Berry, die sich in Drehpausen ihr Insulin spritzt, wäre schon eher was. Aber soll sich Nico wirklich mit einem Bond-Girl identifizieren? Oder Thomas Alva Edison, der war immerhin ein Genie. Doch wer denkt da heute noch dran, wenn er das Licht einschaltet?

Für Nico also musste es ein Sportler sein. Auch da gibt es reichlich Auswahl und nicht nur Schachspieler oder fresssüchtige Dauerkokser. Es gibt Ironmen, Hockey-Olympioniken, Boxer. Und es gibt Dimo Wache, Profi-Fußballer, Torwart von Mainz 05, bei einer Körpergröße von 1,94 Meter 94 Kilo schwer, Typ-1-Diabetiker seit 1998.

Nico hat Dimo Wache einen Brief geschrieben. Er hat geantwortet und hat Tipps gegeben, wie man als Fußballer am besten mit dem Diabetes umgeht. Seitdem ist Nico Mainz-Fan. Mittlerweile haben sie sich sogar einmal getroffen, es gibt ein Bild von Nico mit seinem Vorbild. Und wenn man Nico fragt, wie es damals war, als er hörte, dass auch der Profi-Fußballer Dimo Wache Diabetes hat, dann sagt er: "Ich war erleichtert. Das hat mir gezeigt, dass man auch mit Diabetes alles schaffen kann." Torwart will er aber trotzdem nicht werden. Er bleibt lieber Stürmer und schießt Tore wie Maradona.

Dr. Peter Münch (München) ist Redakteur der Süddeutschen Zeitung (Ressortleiter Seite Drei). Sein Sohn Nico ist 13.

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